Ein Lebensgefühl

Sicherheit und Wohlgefühl werden mit ihr verbunden und alle Menschen brauchen sie in irgendeiner Form: Geborgenheit. 2004 wurde das Wort Geborgenheit sogar im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs zum zweitschönsten Wort der deutschen Sprache gekürt. Jedoch bedeutet es noch mehr als Sicherheit, Schutz, oder Behütetheit. Geborgenheit steht auch für ein Lebensgefühl, wie es der Psychologe Mogel bezeichnet. Ein Gefühl von Vertrauen,  Nähe, Zufriedenheit innere Ruhe, Frieden und Liebe durch andere.
Geborgenheit kann somit als eine wichtige Basis für die Entwicklung eines Menschen betrachtet werde, damit sich eine stabile Persönlichkeit entwickeln kann. Aber wie bekommt man das Gefühl, dass man sich geborgen fühlt?


Geborgenheit – ein Bedürfnis das bleibt

Menschen, die sich sicher und aufgehoben fühlen, haben eine innere Stärke, die von außen nicht zu durchbrechen ist. Auch schwierige Lebenssituationen führen nicht dazu, sich in Verzweiflung und Ausweglosigkeit wiederzufinden. In der Regel wird dieses Gefühl der Sicherheit und Nähe schon zu Beginn des Lebens gegeben. Die Mutter bzw. die Eltern vermitteln durch die Aufmerksamkeit in Form von Zuwendung, Versorgung und liebevollen Berührungen das Gefühl von Geborgenheit. Die Sicherheit ist da, es gibt  jemanden, der sich sorgt und kümmert; der mich schützt und für mich da ist. Für die kindliche Entwicklung ist Geborgenheit sozusagen elementar. Denn wer sich in der Kindheit geborgen fühlt, ist neugierig auf Neues, kann seine Wünsche äußern und empfindet insgesamt eine innere Sicherheit.
Es installiert sich also ein Gefühl, dass der Mensch ein Leben lang beibehält bzw. nach dem er ein Leben lang verlangt. Das Bedürfnis, sich geborgen zu fühlen, besteht daher auch im erwachsenen Alter. Viele empfinden dieses Gefühl ein Leben lang, auch wenn die Eltern nicht mehr diejenigen sind, die sich um die Erfüllung der Bedürfnisse kümmern. Der Mensch ist somit stabilisiert für das ganze Leben und mit einer inneren Sicherheit ausgestattet, die Angenommensein, Nähe und innere Zufriedenheit erzeugt -  Selbstbewusstsein .


Räume der Geborgenheit

Geborgenheit kann zwar in menschlichen Beziehungen empfunden werden, sie kann aber genauso in bestimmten Situationen oder an bestimmten Orten gefühlt werden.
Die meisten empfinden innerhalb von Sozialen Beziehungen Geborgenheit und Wohlbefinden. Die Beziehung zum Partner, Freunden, Familie, Nachbarn usw. geben  Sicherheit und damit ein gutes Gefühl. Auf diese Bindungen, in denen Nähe wahrgenommen wird, reagiert unsere Psyche und unser Körper. Die soziale Interaktion, d.h. in der Empfindung von Nähe produziert der Körper das  Bindungshormon Oxytocin. Durch dieses Hormon fühlt sich der Mensch sicher und geborgen, wenn vertraute Personen in seiner Umgebung sind (AOK).
Beziehungen zu anderen Menschen sind eine Möglichkeit, um Geborgenheit zu empfinden. Genauso gut kann sich diese Empfindung auch an einem bestimmten Ort einstellen beispielsweise am Meer oder in der Ruhe am Morgen, die man alleine genießt. Geborgenheit ist vielfältig und wird genauso unterschiedlich wahrgenommen.
Nur verfügen nicht alle Menschen über diese Sicherheit und dieses Wohlbefinden. Wenn das Gefühl von Geborgenheit nicht besteht, so findet ein Suchen danach statt. Und diese Sehnsucht und Suche kann auch ein Leben lang dauern.  


Geborgenheit – aus dem Inneren heraus

Wohlbefinden und Sicherheit sind Gefühlszustände nach denen jeder Mensch verlangt. Psychologen und Pädagogen betrachten das Geborgenheitsgefühl in der Kindheit als wesentliche Erfahrung, die ein Mensch für die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit benötigt. Nur sind die Erfahrungen in der Kindheit eines jeden Menschen in der Regel verschieden. Und so kann es auch sein, dass diese Erfahrung eben fehlt und sich stattdessen die Sehnsucht nach diesem Lebensgefühl entwickelt. Diese Suche kann aber durch unterschiedliche Wege zu einem guten Ende führen.
Mit Hilfe von außen oder aus eigener Kraft kann man für sich ergründen, was Geborgenheit bedeutet und wo man diese empfinden kann. Sind es bestimmte Räume,  Situationen, Erlebnisse oder auch andere Menschen, die dieses Gefühl vermitteln? Was empfindet man als positiv, wo fühlt man sich wohl? Sich dies bewusst zu machen und kontinuierlich in Erinnerung zu rufen, wirkt stabilisierend und tragend und kann zu dem Gefühl von Geborgenheit führen.
Wenn man diese Suche nicht alleine bewältigen möchte, kann es hilfreich sein, sie mit einem anderen Menschen zu begehen. Das können Freunde sein, also Menschen, die einem bekannt sind oder auch außerhalb des Freundeskreises wie etwa Psychologen. Mit dieser Unterstützung lässt sich im Prozess der Selbstreflexion oftmals herausfinden, wo für einen selbst das Gefühl von Geborgenheit empfunden werden kann. Empfinden wir diese in der Nähe zu einer anderen Person, in der Natur oder auch beim Meditieren? Die Antworten sind unterschiedlich und es lohnt sich, eine Antwort zu finden.

Ein Leben lang Geborgenheit
Geborgenheit, d.h. das Gefühl geborgen zu sein, ist der Stabilisator im Leben eines Menschen. Wer sie empfindet, nimmt das Leben leichter und kann von diesem Stabilisator auch in unangenehmen Lebenssituationen profitieren. Und auch wer nicht von Beginn seines Lebens an mit diesem Gefühl ausgestattet worden ist, kann sich dieses Bedürfnis aber noch erfüllen: durch die Suche nach der persönlichen Geborgenheit.  Diese Suche ist individuell und der Weg manchmal lang und holprig. Aber man muss diese Suche nicht alleine begehen, sondern darf sich durchaus auch Hilfe von außen nehmen.
Wer sich auf die Suche begibt, eine Antwort auf die Frage „was bedeutet für mich Geborgenheit“ zu finden, wird diese auch finden. Und kann die Sicherheit und den Schutz jeden Tag durch diese eine eigene persönliche Definition von Geborgenheit empfinden. Denn Geborgenheit heißt: Schutz und Wohlgefühl an jedem Tag.