Fasten - was das bedeutet

"Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente."
(Hippokrates 460-377 v. Chr.)


Fasten allgemein

Auf Essen verzichten und zwar selbst gewählt, das machen viele nach den Feiertagen wie Weihnachten und Silvester, an denen es unzählige Leckereien gab. Freiwillig entziehen sie sich Nahrung für eine bestimmte Zeit, d.h. diese Menschen fasten. Die einen fasten, um die ungeliebten zusätzlichen Kilos wieder loszuwerden, andere betrachten es als eine Art „Reinigung“ und wieder andere fasten aus religiösen Gründen. Fasten ist aber kein neumodischer Trend, den es erst jetzt gibt. Seit Tausenden von Jahren verzichtet der Mensch immer wieder freiwillig auf feste Nahrung und Genussmittel für eine begrenzte Zeit.

Fasten im Allgemeinen lässt sich als Gestaltungselement des Lebens bezeichnen. Betrachtet man die Historie zahlreicher Kulturen zeigt sich dieses Element in unterschiedlichen Formaten und Ritualen. Fasten bzw. Fastenzeiten umfassen festgelegte Zeitabschnitte, in denen teilweise oder auch komplett auf Nahrungsmittel, Genussmittel, Fleisch, Alkohol u.a. verzichtet wird. Insbesondere in den Religionen gibt es zu bestimmten Terminen Fastenzeiten. Hierbei lässt sich beispielsweise die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern (Christentum) nennen oder auch der Monat Ramadan im Islam. Dabei soll das Fasten u.a. zur Reinigung der Seele, der Buße im Christentum, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung dienen.

Das Wort „Fasten“ bedeutet Enthaltsamkeit, Enthaltung von Nahrung etc. Auch in der heutigen Zeit, in der es für die Menschen fast keine Schwierigkeiten mehr gibt, an Nahrung zu gelangen, tritt dieses Element wieder in den Vordergrund. Oftmals auch noch in den Ursprungsformen wie es in der Antike und im Mittelalter praktiziert wurde: Vollfasten, d.h. keine Nahrungsaufnahme und kein Trinken. Halbfasten, d.h. eine Mahlzeit pro Tag und erlaubte Flüssigkeitsaufnahme oder auch Abstinenz-Fasten, d.h. der Verzicht auf bestimmte Speisen wie Fleisch, Milch, Genussmittel, Alkohol.

Neben den religiösen Formen haben sich Fastenpraktiken entwickelt, bei denen es nicht mehr hauptsächlich um religiöse Motivationen geht. Die Gesundheit des Menschen auf unterschiedlichste Bereiche bezogen ist in den Fokus der heutigen Fasten-Praxis getreten.  Die Bedeutung hierbei umfasst beispielsweise die Verbesserung des Wohlbefindens, mehr Vitalität und Konzentration, Gewichtsverlust bis hin zum therapeutischen Fasten, das auch bei schwereren Krankheitsbildern angewendet wird. D.h. durch Fasten kann man Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl erzielen, es kann eine „Körper-Seele-Geist-Einheit“ entstehen.


Fasten - Was passiert im Körper

Dass dem Körper Nahrung entzogen wird, damit er produktiver, gesünder ist oder dass dadurch der Geist sich „reinigt“, klingt zunächst widersprüchlich. Denn wir wissen, der Mensch benötigt täglich Nahrung, damit der Organismus einwandfrei funktioniert. Da Fasten aber auf eine bestimmte Periode begrenzt ist, ist es für den menschlichen Organismus meistens kein Problem, zeitweilig auf feste Nahrung zu verzichten; die Betonung liegt auf Nahrung, denn bei Flüssigkeitsverzicht sieht es anders aus, darauf kann der Körper nur kurzzeitig verzichten.

Zu Beginn des Fastens gerät der Körper in einen Stressmodus. Er registriert, die gewohnte Nahrungsaufnahme findet nicht statt. Es wird auf die vorhandenen körpereigenen Reserven zugergriffen. Chemische Prozesse wie die Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Cortisol können dabei gemessen werden. Diese Ausschüttungen normalisieren sich aber nach kürzester Zeit. Der Körper gewöhnt sich sozusagen an die Enthaltung von Nahrung. In dieser Phase stellt sich der Organismus auf die Fettverbrennung um, was bedeutet, dass auf die Kohlehydratreserven in Leber und Muskulatur zugegriffen wird. Diese Reserven sind aber schon nach kurzer Zeit aufgebraucht. Für die Sicherstellung der Energieversorgung werden sogenannte Keton-Körper produziert. Insgesamt fährt der Körper das System auf Sparflamme runter, was sich in einem niedrigen Blutdruck und Insulinspiegel z.B. zeigt.

Psychisch stellt sich bei fast allen Fastenden nach den ersten Tagen ein sozusagenes Hoch ein. Die Schlappheit und Müdigkeit reduziert sich oder verschwindet und man fühlt sich gestärkt. Laut der Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e.V. sind beim Fasten folgende Punkte unverzichtbar:

eine ausreichende (mind. 2.5 l/Tag) kalorienfreie Flüssigkeitszufuhr (Mineralwasser, Tee) sowie natürliche Anteile in flüssiger Form wie Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte und Honig, max. 2.100 KJ (ca. 500 kcal)/Tag
die Förderung der Ausscheidungsvorgänge über Darm, Leber, Nieren, Lungen, Haut
das Einstellen eines Gleichgewichtes zwischen Bewegung und Ruhe
sorgfältiger Kostaufbau und Hinführung zu einem gesünderen Lebensstil.


Der menschliche Organismus verfügt also über die Möglichkeit der körpereigenen Ernährung aus den bestehenden Nahrungsreserven. Bei dem Zugriff auf diese Fettreserven treten Veränderungen im Stoffwechsel, aber auch in der Psyche auf, „die in der methodisch korrekten Durchführung des Fastens unbedingt beachtet werden müssen (Wilhelmi de Toledo, 1998).“ Aus diesem Grund ist es ganz wichtig, eine Fastenkur nicht im Alleingang durchzuführen, sondern unter Aufsicht eines Arztes oder Fastenberaters.

Fasten – was es zu beachten gilt

Es gibt unterschiedliche Arten zu Fasten. Entweder, dass ein:

kompletter Nahrungsverzicht stattfindet (aber Flüssigkeitskonsum)
Proteinmodifizierte Formula-Diäten- Aufnahme einer Mindestmenge an Nährstoffkonzentraten zur Erhaltung des körperlichen Eiweißminimums (Flüssigkeitskonsum)
Heilfasten - Trinken von Wasser, Molke, Tee und Gemüsebrühen.

Das sind die Basics des Fastens und es gibt eine Vielzahl an Fastenkuren, die sich großer Beliebtheit erfreuen (Basisches Fasten, Schrothkur, Molkekur uvm.).

Wer sich dazu entscheidet, zu fasten, sollte sich vorher genau informieren, welche Arten bzw. Kuren es gibt und welche die geeignete ist. Auch die Motivation ist wichtig: mehr Vitalität, Gewichtsreduktion oder andere gesundheitliche Aspekte? Es gilt also, im Vorfeld genau abzuklären, ob man sich in der physischen und auch psychischen Situation befindet, zu fasten oder auch, welche Notwendigkeit vorliegt.

Wichtig ist: da Fasten - je nach dem in welcher Art und Weise - eine große Herausforderung für den menschlichen Organismus darstellt, dass eine Fastenkur nur unter Aufsicht eines Fastenberaters bzw. Arztes durchgeführt wird. Nur dann ist sichergestellt, dass das Fasten zu Kraft, Vitalität und Freude führt.

Eine Ausnahme bildet natürlich, wer lediglich beispielsweise vor Ostern mal die Süßigkeiten weglassen möchte oder auf das Feierabendgetränk verzichten will. Das fordert lediglich: Disziplin .

Gesund und munter ist der, der das mit dem Fasten richtig angeht. Und ab und zu mal auf etwas verzichten, bringt auf jeden Fall den Effekt, dass man sich dann wieder mehr darüber freut, sobald die Zeit des Verzichts überstanden ist. Und stolz darauf, dass man das geschafft hat, kann man dann auch noch sein!


Fühlt euch wohl!


Quellen: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Fasten
www.spektrum.de
https://aerztegesellschaft-heilfasten.de